Pflegekräfte aus Osteuropa bei Stiftung Warentest

7. Mai 2017 | Von | Kategorie: News

Pflege daheimNach einem mittlerweile älteren Test aus dem Jahr 2009 hat die Stiftung Warentest in 2017 erneut die Vermittlung von Betreuerinnen aus Osteuropa unter die Lupe genommen. Der in diesem Zusammenhang häufig verwendete Begriff „Pflegekräfte aus Osteuropa“ ist allerdings nicht richtig. In der Regel dürfen die Kräfte aus Osteuropa nämlich keine Pflegeleistungen, sondern „nur“ Betreuungsleistungen erbringen. Die Verabreichung von Medikamenten oder das Wechseln von Verbänden ist beispielsweise nicht erlaubt.

Im Mittelpunkt des Testes standen die Vermittlungsagenturen in Deutschland. Üblicherweise werden die Betreuerinnen bzw. „Pflegekräfte“ aus Osteuropa (z.B. Polen, Rumänien, Bulgarien) über eine in Deutschland ansässige Vermittlungsagentur gesucht und beauftragt. Die Vermittlungsagentur ist für die Auswahl und laufende Betreuung der osteuropäischen Helferinnen zuständig. Auch der Kontakt zu den Pflegebedürftigen bzw. den Angehörigen läuft über die Vermittlungsagentur. Der eigentliche Auftrag wird allerdings mit einer Firma im sogenannten Entsendungsland (also z.B. Polen) abgewickelt. Im Entsendungsland schließen die Betreuerinnen mit einer dort ansässigen Firma einen Arbeitsvertrag und erhalten auch von dort ihren Arbeitslohn. Auch das Abführen von Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern erfolgt durch den Arbeitgeber im Entsendungsland.

Der Kunde in Deutschland schließt also in der Regel zwei Verträge ab. Einen Vermittlungsvertrag mit der deutschen Vermittlungsagentur und einen weiteren Vertrag über die zu erbringenden Betreuungsleistung mit der Firma aus dem Entsendungsland.

Immer wieder gibt es Verunsicherung hinsichtlich der Legalität derartiger Verträge. Die Stiftung Warentest stellt hierzu erfreulicherweise fest: „Wer die Agenturen nutzt, handelt nicht illegal, sollte aber einiges beachten …“.

Leider gibt es aber hinsichtlich der Qualität der Vermittlungsagenturen dem Test zufolge einige Mängel. Von 13 getesteten Agenturen waren nur 9 wirklich hilfreich bei der Vermittlung. Hinsichtlich der Information bzw. Transparenz in rechtlichen und finanziellen Aspekten konnte keine einige Vermittlungsagentur im Test restlos überzeugen. In den Verträgen hat die Stiftung Warentest bei allen Vermittlungsagenturen Mängel gefunden.

Positiv heben sich manche Vermittlungsagenturen hingegen durch die Qualität der Betreuung und Beratung der Kunden (Pflegebedürftige bzw. die Angehörigen) in Deutschland ab. Nach der ersten Bedarfsanalyse und Vermittlung einer Betreuungskraft wird eine gute Vermittlungsagentur auch laufend verfügbar sein um beispielsweise Ersatzkräfte zu organisieren oder Probleme zu lösen (z.B. bei Krankheit einer Betreuerin).

In dem Testbericht schneiden folgende Vermittlungsagenturen am besten ab:

  • Pflege zu Hause Küffel
  • Hausengel

Allerdings umfasst der Testbericht nur 13 Agenturen von schätzungsweise insgesamt über 260 in Deutschland tätigen Vermittlungsagenturen. Erfahrungsgemäß löst ein positives Testurteil der Stiftung Warentest oft einen regelrechten „Run“ auf die gut bewerteten Produkte oder Dienstleistungen aus. Falls sich auch bei diesem Test nun viele Kunden auf die oben genannten „guten“ Vermittlungsagenturen stürzen, bleibt abzuwarten, ob diese Agenturen dem Ansturm gewachsen sind. Sowohl die Ressourcen der Vermittlungsagenturen als auch die guten Betreuerinnen bzw. „Pflegekräfte“ aus Osteuropa sind nicht beliebig vermehrbar. Von daher sollte offen über die Frage der Kapazitäten gesprochen werden. Evtl. sollte dann auch eine andere Vermittlungsagentur in Betracht gezogen werden.

Für die Zufriedenheit der Pflegebedürftigen bzw. der Angehörigen ist es letztlich entscheidend, wie gut die Betreuerin ihrer Betreuungssaufgabe nachkommt. Neben der Sprachkompetenz und der fachlichen Eignung ist dabei auch die menschliche Seite sehr bedeutsam. Für ein gutes Gelingen können auch die Pflegebedürftigen bzw. die Angehörigen viel beitragen durch Wertschätzung und genügend freie Zeit für die Betreuerinnen. Nach den deutschen Gesetzen sind pro Woche maximal 48 Stunden Arbeitszeit erlaubt. Zwischen zwei Arbeitseinsätzen muss mindestens eine Ruhezeit von 11 Stunden sichergestellt sein. Außerdem muss pro Woche mindestens ein Tag komplett frei sein.

Der Testbericht ist bei Stiftung Warentest erschienen im Mai 2017 und ist unter dem Titel „Pflege zu Hause: Die besten Vermittler für Betreuungskräfte aus Osteuropa“ online aufrufbar unter:

https://www.test.de/Pflege-zu-Hause-Die-besten-Vermittler-fuer-Betreuungskraefte-aus-Osteuropa-5170957-0/

Wichtige Tipps sind kostenlos zu lesen, der eigentliche Test der Vermittlungsagenturen ist gegen eine Gebühr von 3,-€ online abrufbar.

Kommentare sind geschlossen