Europäischer Gerichtshof begünstigt deutsche Kunden von ausländischen Versandapotheken

27. Oktober 2016 | Von | Kategorie: News

Was deutschen Apotheken schon lange den Schlaf geraubt hat ist nun Realität geworden. Die Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente in Deutschland wurde vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) als Verstoß gegen geltendes EU-Recht bewertet. Stellt sich die Frage, welche Auswirkung das Urteil für die Verbraucher hat.

Preisbindung für ausländische Apotheken unzulässig

Verschreibungspflichtige Medikamente unterlagen, zumindest in Deutschland, bisher einer strikten Preisbindung. Egal ob das Medikament in einer Apotheke gekauft oder über eine Online-Versandapotheke bezogen wurde, der Preis für ein verschreibungspflichtiges Medikament war überall gleich. Der EuGH sieht in der Preisbindung eine ungerechtfertigte Einschränkung des freien Handels-und Warenverkehrs. Insbesondere ausländische Apotheken, für die der Online-Versandhandel existenziell ist, wurden durch die bisherige Regelung erheblich benachteiligt. Daher soll es nun mit den Festpreisen ein Ende haben.

Rabatte nur bei ausländischen Online-Apotheken

Mit dem Urteil ist es jetzt Apotheken im Ausland gestattet, auf rezeptpflichtige Medikamente Rabatte zu gewähren. Für den Patienten könnte der nun sicherlich entstehende Wettbewerb durchaus von Vorteil sein. Immerhin haben einige Versandapotheken aus dem Ausland wie DocMorris oder die niederländische Europa-Apotheek bereits auf die europäische Rechtsprechung reagiert und gewähren ihren Kunden ab sofort einen Rabatt für jedes bestellte, rezeptpflichtige Mittel.

Wer von der neuen Preisregelung profitiert 

Speziell Kassenpatienten mit chronischen Erkrankungen, die ihre Medikamente regelmäßig über einen ausländischen Onlineversand beziehen, werden durch die Gewährung von Rabatten beziehungsweise Bonuszahlungen finanziell entlastet. Aber auch Privatversicherte, die meist ihre Medikamentenkosten bis zu einem bestimmten Betrag selbst tragen müssen, profitieren von der neuen Preisregelung. Natürlich würden auch die Krankenkassen von den Rabatten profitieren.

Allerdings werden zurzeit nur Kunden von ausländischen Online-Apotheken durch die Rabatte begünstigt. Experten gehen davon aus, dass die inländischen Online-Apotheken schon bald unter Druck geraten und es ihren ausländischen Kollegen gleich tun, indem sie die deutsche Preisbindung in Zukunft ignorieren und ihren Kunden Rabatte anbieten. 

Der Gesetzgeber ist gefordert 

Hier ist dann die Gesetzgebung aufgefordert wieder für klare Verhältnisse zu sorgen und eine für Verbraucher wie Apotheken tragfähige Lösung zu finden. Manche Experten sind der Meinung, dass sich auf Dauer die Preisbindung für Deutschland nicht aufrechterhalten lassen wird, denn erste Stimmen behaupten, dass durch das Urteil des EuGH die inländischen Apotheken diskriminiert werden und nicht mehr konkurrenzfähig sind.

Dieses Thema wird die Gesundheitsbranche wie auch den Gesetzgeber noch einige Zeit beschäftigen.

Kommentare sind geschlossen